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Die Fokusthemen im März und April:

Fokusthema April: Sprache

Ein Beitrag von: Shorena Sikharulia

 

Die Macht der Sprache

Liebe Leserin, lieber Leser,

man kann unendlich viel über Sprache schreiben, auch in der Fremdsprache, wenn man sie beherrscht oder der Sprache mächtig ist. Also hat eine Sprache auch mit Macht etwas zu tun. Unbedingt. Eine Sprache kann auch das Leben eines Menschen ändern, verändern. Ich möchte dich gerne auf eine kurze Reise in meine Welt mitnehmen. Auf der Reise werden wir auf Deutsch kommunizieren, auf der Sprache, die vielleicht deine Mutter-Sprache ist, oder auch deine Zweit-Sprache. In jedem Fall ist es die Sprache, die ich beherrsche und die mir ermöglicht, meine Gedanken aufs Papier zu bringen, damit du verstehst, was ich vermitteln will. Kurz über meine Muttersprache – ich spreche Georgisch. Die georgische Sprache gehört zu einer südkaukasischen Sprachfamilie, hat eigene Schrift. Es gibt keine Umlaute, keine Artikel. Es hat Null mit der deutschen Sprache zu tun. Ich war in der fünften Klasse, als ich anfing, Deutsch zu lernen. Meine Lehrerin hat mich gefördert und gefordert. Es lief… Ich weiß noch, wie kaputt ich gelacht habe, als ich das Wort ,,Luftballon“ hörte. Es klang ganz, gaaanz anders.. irgendwie lustig.. fröhlich.. Dann wurde ich neugierig, wieso heißt es die Tür? Aber das Fenster? Die Katze, aber der Elefant? Ich verstand es einfach nicht. Wollte ich aber… Mein Wunsch, diese Sprache zu beherrschen, wuchs immer weiter. Ich wusste es – ich wollte in dem Land studieren, wo diese Sprache gesprochen wird. 13 Jahre verfolgte ich meinen Traum und der Traum veränderte mein Leben. Ich entdeckte eine neue Welt, in der ich sehr gerne lebe. Dank der Sprache habe ich mich weiterentwickelt, wunderbare Menschen getroffen und als Freunde gewonnen.  Sehr oft hörte ich eine Frage

- ,,Bist du alleine in Deutschland oder mit deiner Familie?
- Nein, alleine.
- Oh, ist es nicht schwer?
- Nein, ich habe mich in die deutsche Sprache verliebt, nicht meine Familie."

Das Ganze nenne ich – die Macht der Sprache.


Fokusthema März: Arbeitsmarkt

Für viele Migrant*innen ist der Eintritt in den deutschen Arbeitsmarkt meist mit großen Herausforderungen verbunden. Neben den rechtlichen Vorgaben in Bezug auf eine Arbeitserlaubnis, die im Zusammenhang mit dem Aufenthaltstitel stehen, haben weitere Faktoren Anteile an einem erschwerten Zugang in reguläre Arbeitsverhältnisse oder auch in eine mögliche Selbstständigkeit.

Auf übergeordneter Ebene hat die Bundesregierung die Partizipation am Arbeitsmarkt und die Erhöhung der Anzahl an Beschäftigungs- und Ausbildungsverhältnissen als Kernaufgabe ihrer längerfristigen Strategie zur Fachkräftesicherung formuliert. Die Integrationsforschung sieht dies als zentralen Aspekt einer strukturellen Integration.

In unserem Arbeitsalltag im Team Integration und Teilhabe beim Kreis Dithmarschen, sind wir in unseren persönlichen Kontakten mit hier lebenden Migrant*innen immer wieder mit der Suche und dem intensiven Bedürfnis nach einer Berufstätigkeit konfrontiert. Doch der Weg ist weit…

Eine wichtige Rolle spielt der Spracherwerb, je nach Arbeitsstätigkeit sind Deutschkenntnisse auf unterschiedlichem Niveau erforderlich. Um eine Fremdsprache zu erlernen, sind eine hohe Eigenmotivation und passende Bildungsangebote erforderlich. Die Lernfähigkeit und Lernbereitschaft variiert natürlich von Mensch zu Mensch, so dass es kein allgemeines Erfolgsrezept gibt.

Bestimmte familiäre Konstellationen und Verpflichtungen können die Lernerfolge begünstigen oder   schränken diese auch ein.  Auch die Psyche hat einen nicht unerheblichen Einfluss auf das Erlernen der deutschen Sprache. Aus unserer langjährigen Erfahrung wissen wir, dass Probleme, Sorgen und auch Heimweh den Kopf blockieren.

Um Migrant*innen effektiv und umfassend zu unterstützen, legen wir als Koordinierungsstelle Integration und Teilhabe mit Hilfe unserer Netzwerkpartner*innen besonderen Wert auf eine gute Beratung und einen Austausch auf Augenhöhe. Jeder Lebensweg ist individuell und erfordert Geduld und Durchhaltevermögen.

Wir werden im Laufe des Jahres 2021 in den kommenden Ausgaben unseres Newsletters viele unserer Netzwerkpartner*innen und Ehrenamtliche* vorstellen, die den Integrationsgedanken und die Vielfalt tagtäglich leben und fördern, damit jede*r einen Platz in unserer Gesellschaft findet.