Die Fokusthemen:  
Juni Kultur über alle Grenzen
Mai Interreligiöser Dialog
April Sprache
März Arbeitsmarkt

 

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Fokusthema Kultur über alle Grenzen: Was ist eigentlich Kultur?

Ein Beitrag von Stefanie Endjer,

M.A MOTION Mehrsprachigkeit und Bildung


Die einen sagen, Kultur sei am besten über einen Eisberg erklärbar. Man könne lediglich das sehen, was oberhalb der Wasseroberfläche liegt, jedoch seien die kulturellen Wurzeln auf den ersten Blick unsichtbar, da sie sich unter der Wasseroberfläche befänden.
Für andere ist die Kultur über eine Zwiebel zu erklären, so wie man sich bei unserem norddeutschen Schmuddelwetter eben auch am besten anzieht, in mehreren Schichten und innen die dauerhaftesten Bestandteile. Auch in diesem Fall bieten sich unterschiedliche Wege, Kultur zu erfassen. Das was oben liegt, ist einfacher zu entdecken, als das, was des Pudels oder der Zwiebels Kern bildet. Denkt man an Kultur, so denkt man unter Umständen an Goethes Faust und Mephisto als des Pudels Kern, Hochkultur. Aber was ist mit der Freikörperkultur oder dem Kulturbeutel? Bin ich ein Kulturbanause, weil ich lieber Borchert und Brecht lese, zu Brahms tanze aber rhetorische Stilmittel für mich böhmische Dörfer sind? Was haben diese Begriffe mit Kultur zu tun und was gehört zur Kultur eines Landes?

Es gibt, wie oben beschrieben, unterschiedlichste Modelle und Ansätze, die versuchen Kultur begreifbar zu machen. Die Verlockung ist groß, Stereotypen heranzuziehen und sich die Welt darüber über die eigenen Grenzen hinaus zu erklären. Sind wir ehrlich, sind aber vermutlich nicht alle Deutschen pünktlich, lieben Wurst und Mülltrennung, haben eine Kuckucksuhr in der guten Stube, trinken Bier und kleiden sich mit Dirndl oder Lederhosen.
Stereotypen oder Kulturmodelle bieten aber durchaus ein Grundgerüst an dem man sich entlanghangeln kann, während sich eine neue Kultur vor einem offenbart.

Weiterhin existieren kulturelle Erfahrungen, die weit über die eigenen Grenzen hinaus gehen. Erfahrungen, die in einem ein Gefühl der Hilflosigkeit zurücklassen, die Einsamkeit, Angst, Frustration und starkes Heimweh hervorrufen, einen Kulturschock. Aber stößt man hier wirklich an eine unüberwindbare Grenze? Hier lohnt es sich ein wenig Geduld mit sich und dem neuen Umfeld zu haben.

Neue Dinge auszuprobieren, gewissermaßen bewusst Grenzerfahrungen, über alle Grenzen hinaus, zu machen. Kleidung, Essen, neue Hobbies ausprobieren und für sich notieren, was daran gut war. Es macht sich bezahlt, die neue oder fremde Sprache zu lernen und dabei auch auf die unterschiedliche Körpersprache der Menschen zu achten. Die eigene Brille, mit der man die Kultur einer anderen Welt betrachtet, ist nicht nur rosarot gefärbt, sondern auch immer mit der Farbe unserer Erfahrungen, die wir auf die Reise über alle Grenzen hinaus mitbringen.

 

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Fokusthema Sprache: Meine Liebe zur Sprache

Ein Beitrag von Florenc Dulla

Liebe Leserin, lieber Leser!

Sprache ist ein vielfältiges Wort und es hat eine große Bedeutung für mich. Alle Menschen auf der Welt haben mindestens eine Muttersprache und viele sprechen mehrere Sprachen.  Eine Person, die mehrere Sprachen beherrscht, wird als Polyglott bezeichnet. Als ich klein war, hatte ich kein Interesse an anderen Sprachen, aber im Laufe der Zeit fing ich an, Italienisch zu lernen und bin später nach Italien gezogen. Italienisch ist für mich wie meine zweite Muttersprache geworden.

Nach meinem Studium in Italien hatte ich Lust, eine weitere Sprache zu lernen. Von 2013 bis 2014 verbrachte ich ein Auslandssemester in Spanien. Diese Erfahrung war für mich sehr prägend! Noch nie hatte ich eine derart große Leidenschaft für eine Sprache gehabt. Castellano (Spanisch) hat seitdem einen besonderen Platz in meinem Herzen. Es ist wie eine Oase in der Wüste.

Nachdem ich mein Ziel erreicht hatte fließend Spanisch zu sprechen, wollte ich gerne Französisch lernen und ich bin ohne Sprachkenntnisse nach Straßburg (Frankreich) gezogen. Es war eine sehr große Herausforderung, aber ich war äußerst motiviert... Französisch ist für mich die Sprache der Liebe. In Frankreich habe ich die Liebe meines Lebens gefunden und zudem meinen Master absolviert. Während meines Studiums in Straßburg wurde mir klar, dass Französisch nicht die letzte Sprache sein wird, die ich lernen wollte....


Eine Sprache, die ich gelernt habe, ohne in dem Land gewohnt zu haben, wo diese gesprochen wird, ist Portugiesisch. Ihre Aussprache hat mich immer faziniert. Die letzte Sprache auf meiner Liste ist Deutsch. Es war keine Liebe auf den ersten Blick, aber ich hatte Sympathie für sie. Seit zwei Jahren ist sie nun eine meiner Lieblingssprachen.

Alle diese Sprachen unterscheiden sich voneinander und jede hat ihre eigenen Regeln. Das Erlernen einer Sprache ermöglicht es einem, sich in einem fremden Land zu Hause zu fühlen. Das Gefühl habe ich jeden Tag hier in Deutschland und jedes Mal, wenn ich mich in Italien, Frankreich, Spanien etc.. befinde.

"Die Sprache ist das, was den Menschen ausmacht. Ich fühle mich heute wie ein echter Europäer im Herzens Europas."

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Fokusthema Sprache: Die Macht der Sprache

Ein Beitrag von Shorena Sikharulia:


Liebe Leserin, lieber Leser,

man kann unendlich viel über Sprache schreiben, auch in der Fremdsprache, wenn man sie beherrscht oder der Sprache mächtig ist. Also hat eine Sprache auch mit Macht etwas zu tun. Unbedingt. Eine Sprache kann auch das Leben eines Menschen ändern, verändern. Ich möchte dich gerne auf eine kurze Reise in meine Welt mitnehmen. Auf der Reise werden wir auf Deutsch kommunizieren, auf der Sprache, die vielleicht deine Mutter-Sprache ist, oder auch deine Zweit-Sprache. In jedem Fall ist es die Sprache, die ich beherrsche und die mir ermöglicht, meine Gedanken aufs Papier zu bringen, damit du verstehst, was ich vermitteln will. Kurz über meine Muttersprache – ich spreche Georgisch. Die georgische Sprache gehört zu einer südkaukasischen Sprachfamilie, hat eigene Schrift. Es gibt keine Umlaute, keine Artikel. Es hat Null mit der deutschen Sprache zu tun. Ich war in der fünften Klasse, als ich anfing, Deutsch zu lernen. Meine Lehrerin hat mich gefördert und gefordert. Es lief… Ich weiß noch, wie kaputt ich gelacht habe, als ich das Wort ,,Luftballon“ hörte. Es klang ganz, gaaanz anders.. irgendwie lustig.. fröhlich.. Dann wurde ich neugierig, wieso heißt es die Tür? Aber das Fenster? Die Katze, aber der Elefant? Ich verstand es einfach nicht. Wollte ich aber… Mein Wunsch, diese Sprache zu beherrschen, wuchs immer weiter. Ich wusste es – ich wollte in dem Land studieren, wo diese Sprache gesprochen wird. 13 Jahre verfolgte ich meinen Traum und der Traum veränderte mein Leben. Ich entdeckte eine neue Welt, in der ich sehr gerne lebe. Dank der Sprache habe ich mich weiterentwickelt, wunderbare Menschen getroffen und als Freunde gewonnen.  Sehr oft hörte ich eine Frage

- ,,Bist du alleine in Deutschland oder mit deiner Familie?
- Nein, alleine.
- Oh, ist es nicht schwer?
- Nein, ich habe mich in die deutsche Sprache verliebt, nicht meine Familie."

Das Ganze nenne ich – die Macht der Sprache.

 

Fokusthema Arbeitsmarkt

Für viele Migrant*innen ist der Eintritt in den deutschen Arbeitsmarkt meist mit großen Herausforderungen verbunden. Neben den rechtlichen Vorgaben in Bezug auf eine Arbeitserlaubnis, die im Zusammenhang mit dem Aufenthaltstitel stehen, haben weitere Faktoren Anteile an einem erschwerten Zugang in reguläre Arbeitsverhältnisse oder auch in eine mögliche Selbstständigkeit.

Auf übergeordneter Ebene hat die Bundesregierung die Partizipation am Arbeitsmarkt und die Erhöhung der Anzahl an Beschäftigungs- und Ausbildungsverhältnissen als Kernaufgabe ihrer längerfristigen Strategie zur Fachkräftesicherung formuliert. Die Integrationsforschung sieht dies als zentralen Aspekt einer strukturellen Integration.

In unserem Arbeitsalltag im Team Integration und Teilhabe beim Kreis Dithmarschen, sind wir in unseren persönlichen Kontakten mit hier lebenden Migrant*innen immer wieder mit der Suche und dem intensiven Bedürfnis nach einer Berufstätigkeit konfrontiert. Doch der Weg ist weit…

Eine wichtige Rolle spielt der Spracherwerb, je nach Arbeitsstätigkeit sind Deutschkenntnisse auf unterschiedlichem Niveau erforderlich. Um eine Fremdsprache zu erlernen, sind eine hohe Eigenmotivation und passende Bildungsangebote erforderlich. Die Lernfähigkeit und Lernbereitschaft variiert natürlich von Mensch zu Mensch, so dass es kein allgemeines Erfolgsrezept gibt.

Bestimmte familiäre Konstellationen und Verpflichtungen können die Lernerfolge begünstigen oder   schränken diese auch ein.  Auch die Psyche hat einen nicht unerheblichen Einfluss auf das Erlernen der deutschen Sprache. Aus unserer langjährigen Erfahrung wissen wir, dass Probleme, Sorgen und auch Heimweh den Kopf blockieren.

Um Migrant*innen effektiv und umfassend zu unterstützen, legen wir als Koordinierungsstelle Integration und Teilhabe mit Hilfe unserer Netzwerkpartner*innen besonderen Wert auf eine gute Beratung und einen Austausch auf Augenhöhe. Jeder Lebensweg ist individuell und erfordert Geduld und Durchhaltevermögen.

Wir werden im Laufe des Jahres 2021 in den kommenden Ausgaben unseres Newsletters viele unserer Netzwerkpartner*innen und Ehrenamtliche* vorstellen, die den Integrationsgedanken und die Vielfalt tagtäglich leben und fördern, damit jede*r einen Platz in unserer Gesellschaft findet.