52 Wochen - 52 Frauen

Worauf sind sie stolz? Was können sie ganz besonders gut?

Darauf geben Frauen ihre ganz persönlichen Antworten in der Kampagne „52 Wochen – 52 Frauen" der Gleichstellungsbeauftragten Natalie Nobitz aus Steinburg und Sandra Stadniczuk aus Dithmarschen.

Wir stellen hier in einer Serie plietsche Steinburgerinnen und Dithmarscherinnen vor.

April

Kalenderwoche 14 - Franziska Pusch

Mein Name ist Franziska Pusch. Ich arbeite seit 1998 als Friseurmeisterin und Visagistin. 2018 habe ich nochmal die Schulbank gedrückt und mit 43 Jahren einen Abschluss zur Zweithaarspezialistin absolviert und zusätzlich in meinem Salon eine Zweitpaarpraxis eröffnet.

Mir war über die vielen Arbeitsjahre bewusst, was Haarausfall (auch wenn es nur dünner werdendes Haar ist) bedeutet. Identifikationsverlust, psychische Belastung und damit soziale Isolation. Ich weiß es aus eigener Erfahrung. Das bewegte mich zu diesem Schritt und ich freue mich jeden Tag aufs Neue, wenn ich Frauen/Männern in ihrer Problematik helfen kann. Entweder mit Haarteilen aus Echthaar, oder mit einem Perückenrohling, Niemand muss sich schämen, es gibt für alles eine Lösung. Manchmal hilft auch nur ein Gespräch, um Ursachen für einen Haarausfall zu suchen…

Meine jüngste Kundin ist 10 Jahre alt, die Älteste 89. Und ich liebe die Arbeit mit jedem Einzelnen, ob Chemopatient*innen, Transgender, hormoneller Haarausfall oder Alopezie-Kund*innen (kompletter Haarverlust). Meine Arbeit ist dann perfekt, wenn man sie nicht sieht! Schade eigentlich, aber anders wäre es nicht gut genug.

 

Kalenderwoche 15 - Nadine Tobien

Ich bin Platt-Fluencerin und betreibe eine plattdeutsche Kanal auf Instagram und TikTok. Der heißt #plattebloom.
Mir liegt es am Herzen diese Sprache als lebendige Kultur zu erhalten.
Mit modernen Sprüchen und  Texten, die ich in das Pattdeutsche übersetze, versuche ich diese Sprache  in die heutige Zeit zu holen.
Zuhause spreche ich nicht nur mit meiner kleinen Tochter auf platt, sondern auch mit meinen Hund, denn den habe ich auf Plattdeutschen erzogen. Er hört also auf Sitz, Platz oder auch Achtung. Mein Motto ist "Trau dich was, schnack platt!"

Ik bin Platt-Fluencerin
Ik bin Platt-Fluencerin un maak een plattdütschen Kanol op Instagram up TikTok. De nennt siek #plattebloom
Me legt dat am Hatten de Spraak as geleevte Kultur to erholn. Mit modern Schnack un Schriev, de ik in dat Plattdütsche översett, versöök ik de Spraak in de hüütige Tied to holn.
Tohuus schnack ik nie nur mit mien lütten Dochter ob platt, sondern ok mit mien Hund, denn den hebb ik ob plattdütsch ertroken. He höört also ob Sitt, Dool oder Pass op.
Mien Motto is "Tru di wat, schnack platt."

 

März

Kalenderwoche 13 - Christine Berg

Seit dem Jahr 2015 forsche ich ehrenamtlich und in meiner Freizeit zu Frauenbiografien aus Glückstadt und Umgebung. Inzwischen konnte ich mit Jutta Ohl gemeinsam vier Bände unter dem Titel "Fortunae - 400 Jahre Frauengeschichte(n) ...." publizieren, die vom Mädchen- und Frauenverein Donna Doria e.V. unterstützt werden.

Am 8. März 2015 zum "Internationalen Frauentag" wurde die Idee geboren, eine Sammlung mit Glückstädter Frauengeschichte(n) zu veröffentlichen. Dass diese Sammlung so umfänglich wird, die Arbeit viele Fragen aufwirft, in die Tiefe geht und gleichzeitig sehr bereichernd ist, hätte ich nicht gedacht. Und dass diese Forschung und dieses Entdecken wahnsinnigen Spaß machen, möchte ich durch die Bücher gerne mit Menschen teilen!

Kalenderwoche 12 - Ines Marie Dreier

Ich heiße Ines Marie Dreier, bin 28 Jahre alt, verheiratet und Mutter. Ich wohne in Sarzbüttel und arbeite im WKK. Ich halte gerne Vorträge zu verschiedenen Themen. Häufig wurde ich mit Vorurteilen gegenüber meiner Generation Y konfrontiert, so dass ich mehr über die Generationen wissen wollte und versuche die Generationen mit Witz und Fakten von den Vorurteilen abzubringen. Mein Ziel ist es Verständnis untereinander zu erwirken.

Ich bin bei den Jungen Landfrauen Dithmarschen aktiv und studierte nebenher Gesundheitsökonomie B.A. Ich möchte damit zeigen, dass auch auf dem Land alles machbar ist und Beruf, Familie und persönliche Ziele sich nicht ausschließen.

Kalenderwoche 11 - Sarah

Loslegen und Ideen umsetzen

Ich bin Sarah, 31, wohne in Oldendorf. Als gebürtige Hamburgerin begann ich in Werbeagenturen mein Berufsleben. Ich erfuhr, wie tough dies ist und was für ein dickes Fell „Frau“ haben muss, trotz fünf Jahren Studium in England.

Ich bin leise, ruhig und hochsensibel - keine Eigenschaften, um in der Werbebranche „überleben“ zu können. Mobbing/Belästigung jeglicher Art am Arbeitsplatz war Alltag mit Druck und Erwartungshaltung „zu funktionieren“. Ohne Lob, dafür aber viel Kritik.

Eine Angst- & Panikstörung war das Ergebnis. Es folgten zwei Jahren Arbeitsunfähigkeit, Ärzte/Therapeuten, Therapieversuche und Medikamente um mich zu „reparieren“. Dass ich nicht repariert werden musste, war mir klar, also fasste ich den Entschluss, mein Leben in die Hand zu nehmen und zog aufs Land.

Seit 2018 bin ich selbstständig als Künstlerin, Grafikdesignerin & Familienfotografin. Selbstbestimmtes Arbeiten ist für mich wichtig. Ich ermutige Frauen, das zu tun, was sie erfüllt, sich nicht klein reden zu lassen und Mut zu haben: loslegen und Ideen umsetzen, egal, wie viele sagen „das schaffst du eh nicht“.

KW 10 - Manon Sinnewe

Kalenderwoche 10 - Manon Sinnewe

Ich bin Manon Sinnewe. Ehefrau, Mutter, Gesundheitsmanagerin, Coach, Visionärin. Aufgewachsen in Norddeutschland, habe ich das Meer nie weit aus den Augen verloren. Von der Ostseeküste, an den Hamburger Hafen und dann an die Nordsee. Mein größter persönlicher Erfolg war meine Reise ans andere Ende der Welt, trotz Flugangst. Ich las in einem Ratgeber, wenn Du wachsen willst, stell dich deinen Ängsten. Also dachte ich, das schaffe ich. Hamburg, London, Singapur, Adelaide, Auckland, Fidschi und L.A.

Ich bin fasziniert davon, wie eine bewusste Entscheidung ungeahnte Kräfte mobilisieren kann. Mit tillid Coaching möchte ich Frauen unterstützen, in ihre eigene Kraft zu finden und zu wachsen.

Kalenderwoche 9 - Kimberly

Sport, Familie, meine Arbeit und mein Husky Mischling Luna sind mein Leben. Ich bin Kimberly, 26 Jahre und habe zwei abgeschlossene Ausbildungen. Mit meiner zweiten Ausbildung als Fachangestellte für Bäderbetriebe habe ich mein Hobby zum Beruf gemacht, denn ich betreibe die Schwimmschule Müller „Der Weg ist das Ziel“ gemeinsam mit meiner Mutter. Außerdem gebe ich Babyschwimmkurse und im Sommer findet man mich sowieso immer im Freibad Lägerdorf.

Nach der Geburt meines Sohnes habe ich sofort wieder auf Hochleistungsniveau trainiert, um meine Ausbildung erfolgreich abzuschließen. Für mich war immer klar, dass ich nicht nur Mutter sein möchte, sondern auch berufstätig. Dieser Plan ist aufgegangen und ich freue mich jeden Tag darüber.

Februar

Kalenderwoche 8 - Neele

Ich bin Neele, 28, BA Industriedesign, MA Interfacedesign. Produktentwicklung, Produktkonzepte und Marken sind meine Aufgaben. Ein Reitsportprodukt wurde patentiert, ein weiteres genießt Design-Schutzrechte. Unabdingbar ist schwarzer Humor, der sich in meinem Lockdown-Projekt wiederfindet. Außerdem habe ich einen Gabelstaplerschein, ein einjähriges Tischler-Praktikum gemacht und saniere mit meinem Freund einen Resthof. Ich schütte Estrich, baue Fenster ein und schwinge den Vorschlaghammer.

Aus meinem Alltag: Während eines telefonischen Beratungsgesprächs wurde mir von einem Mann gesagt, dass es als Frau eine Überlegung ist, wie groß das Unternehmen werden soll oder ob man im kleinen Rahmen bleibt. Da war ich sprachlos.

Die Messe-Frage, ob der Chef zu sprechen ist, ist Gewohnheitssache. Ebenfalls die Frage, ob ich mir zutraue große Anhänger zu fahren, das Projekt anzugehen oder selbständig zu sein. Meine Antwort: Hell, yes!"

Kalenderwoche 7 - Saskia Jäger

In meiner Freizeit werde ich kreativ

Moin! Ich bin Saskia Jaeger, 22 Jahre jung und studiere derzeit Biotechnologie-Verfahrenstechnik in Flensburg. Heute möchte ich hier allerdings meine wohl größte Leidenschaft mit dir teilen. Denn ganz im Gegensatz zu meinem naturwissenschaftlichen Interesse im Studium, liebe ich es in meiner Freizeit kreativ zu werden und verbringe mittlerweile fast jede freie Minute damit, zu zeichnen oder zu malen. Dieses Hobby habe ich Mitte 2019 erst richtig für mich entdeckt, als ich mich nach langer Zeit wieder vor eine Leinwand setzte. Seitdem ist es zu einem der wichtigsten Bestandteilen meines Lebens geworden. Meine Kunst besteht hauptsächlich aus Tier- und Menschenportraits, denen ich versuche ein wenig Magie einzuhauchen und so auf die Wunder in jedem Lebewesen aufmerksam zu machen. Schau für mehr Bilder doch gerne mal auf meinem Instagram-Account „sjaeger_art“ vorbei!

Kalenderwoche 6 - Karen Möller

Ich heiße Karen Möller und bin eine der sympathischen Stimmen am Telefon der Kreisverwaltung Dithmarschen.

„Ohne unser Gestern würd‘ ich mich heut nicht so auf morgen freuen. Ist es nicht das, was zählt: Eine Zeit, die gut für 100 Leben reicht…“ So singt Johannes Oerding in „Hundert Leben“ und er spricht mir damit aus der Seele.

Gehörten vor Corona Konzerte, Theater und bereichernde Begegnungen fest zu meinem Alltag, ist derzeit so manches ruhiger. Ich lebe verstärkt nach innen, bin nachdenklicher. Verbringe die Freizeit mit meinen Büchern, meiner Musik und den Erinnerungen vor Corona. Das muss momentan reichen. Ich wünsche mir, dass wir alle die herausfordernde Zeit gut überstehen. Auf eine lebhaftere, buntere Nach-Coronazeit.

Bleiben Sie gesund.

Kalenderwoche 5 - Melanie Bangert

Ich gehe unkonventionelle Wege

„Sag mal, wenn Du so viel unterwegs bist, kochst Du dann für Deinen Mann und die Kinder vor?“ Mit meinem klaren „Nein“ hatte die Dame vor mir nicht gerechnet, denn mein Mann ist so gleichberechtigt und meine Kinder sind so selbstständig, dass sie ein paar Tage ohne mich auskommen.

Ich bin Ehefrau, Mutter, selbstständige Unternehmerin, engagierte Ehrenamtlerin, Freundin, stetig Lernende und so vieles mehr. Trotzdem muss ich mich immer wieder rechtfertigen – weil ich eine Frau bin, meine Eigenständigkeit liebe und manchmal unkonventionelle Wege gehe.

Im Schatten stand ich auch schon - damals als alleinerziehende, berufstätige Mutter. Auch damals musste ich mich rechtfertigen. Für den fehlenden Mann, für meine vielen Arbeitsstunden und für die dauernde Erschöpfung.

Meine schwächsten Momente, offenbarten meine Stärken und ich würde mir wüschen, dass wir Frauen uns noch mehr gegenseitig den Rücken stärken.

Januar

Kalenderwoche 4 - Ulrike Grähling

Geboren in Hanau/Hessen, wagte ich mit 49 Jahren mit meinem Mann 2014 einen Neustart in Barkenholm/Dithmarschen.

Meine positive Lebenseinstellung und mein Humor machen mich zu dem, was ich bin. Auch wenn die Hürden in meinem Leben oft sehr groß waren, habe ich sie gemeistert und niemals meinen Optimismus und meine Willenskraft verloren.

Mit dieser Einstellung habe ich meine drei Kinder zu kritikfähigen jungen Erwachsenen erzogen, auch wenn meine beiden Jungs geistig behindert sind.

Jetzt investiere ich meine Kraft unter anderem in geförderte Naturschutzprojekte auf unserem Resthof. Aber auch die Haltung von Nutztieren für den Eigenbedarf unter artgerechten Bedingen ist mir eine Herzensangelegenheit.

Kalenderwoche 3 - Valentina

Hallo, mein Name ist Valentina ich bin 32 Jahre alt. Ich lebe seit 11 Jahren in Itzehoe und vor 25 Jahren bin ich aus Kasachstan mit meiner Familie nach Deutschland gekommen.

Ich bin stellvertretende Filialleiterin in einem Discounter. Arbeite in Teilzeit und bin in Vollzeit eine alleinerziehende Mama eines 9 jährigen Sohnes. Meinen Sohn erziehe ich seit 3 Jahren komplett allein.

Ich bin alles für ihn so wie er es auch für mich ist. Einen Job im Einzelhandel, wo man flexibel arbeiten muss, um das Familienleben unter einen Hut zu bekommen ist nicht einfach, aber mit Hilfe von einem sehr guten Chef und viel Engagement meinerseits bekomme ich alles unter einen Hut.

Kalenderwoche 2 - Elisabeth Steinschulte

Mallorca, ich komme!  

Man erklärte mich  für verrückt. Mein Arzt fand das gut. Ich buchte für drei Wochen im März. Als Schwerbehinderte hatte ich Hilfe. Corona? kein Thema. Auf Mallorca schien die Sonne. Das Hotel - barrierefrei und der Strand direkt davor. Alles lief  toll. Ich war stolz, dass ich jeden Tag einige Schritte mit dem Rollator mehr machte. Dann! Hausarrest. Polizei bewachte Ausgänge, Ort tabu. Nix wie weg! Das Reisebüro hatte sich weggeduckt. Ab nach Hamburg über Madrid geordert. Tags vorher,  82. Geburtstag. Ich bitte um 1 Glas Sekt. Dann. „Stubenarrest“. Wetter schlecht, auf dem Balkon kalt. Gratulationen mit Words-App. Ratschlag: „Zieh den Wintermantel an, setz dich auf den Balkon und trink eine Flasche Wein.   Das tat ich. Mallorca? Jederzeit wieder.

Kalenderwoche 1 - Natalie Nobitz

Frauen wollen nicht in die Öffentlichkeit.

Diese Aussage höre ich als Gleichstellungsbeauftragte regelmäßig. Gleichzeitig treffe ich jeden Tag großartige Frauen, die sich in unterschiedlichsten Bereichen engagieren und keineswegs die Öffentlichkeit scheuen. Anstatt diese Tatsache immer wieder zu betonen, lasse ich jetzt Taten sprechen, oder viel mehr Geschichten. Geschichten von Frauen, die aus ganz unterschiedlichen Gründen an der Kampagne „52 Wochen – 52 Frauen“ mitmachen und dadurch zeigen, wie vielfältig und großartig wir sind. Geschichten von Frauen die in ihrem Leben Hürden überwunden haben und neue Wege eingeschlagen sind. Geschichten von Frauen, die mich beeindruckt und berührt haben, als ich sie zum ersten Mal lesen durfte.

Vielen Dank an alle tollen und großartigen Frauen, die mitgemacht haben.

Sie ermutigen durch ihre Teilnahme andere Frauen, in die Öffentlichkeit zu treten.